Der Rest der 75-Minuten-Sendung ist da auch nicht weiter erwähnenswert; es ist das übliche Blabla selbsternannter Experten, Glaskugel-Befrager und Geschichtchen-Erzähler vom Märchenschloss. Einen spannenden Moment gab es aber dann doch noch: Es war ausgerechnet Philip Mißfelder, dem - man sollte das im Kalender rot anstreichen - ein wirklich kluger Satz entwich: "Ich glaube, Reichtum ist relativ. Ich verdiene als Abgeordneter nicht schlecht, aber wieder andere lachen über mein Gehalt. Für meinen Opa jedoch, der noch unter Tage als Bergmann arbeitete, wäre ich heute ein reicher Mann. Es kommt immer auf den Standpunkt an!". Plasberg wendet sich noch einmal an von Pfuel: Ob sie denn nicht wenigstens nach der Definition von Mißfelder doch reich wäre. Die Gräfin kann dem nicht zustimmen: "Nein", sagt sie. Adel verpflichtet eben doch. Vor allen Dingen zum Leben fernab der Realität.
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Mittwoch, 27. Mai 2009
Crash-Kurs: Arm über Nacht
„Das Fernsehen“, so stellte Oliver Kalkofe einst fest, „hat mehr für die Verblödung der Menschheit getan, als jedes andere Medium“ und da könnte er durchaus Recht haben! Und besonders hervorheben darf man da wohl die öffentlich-rechtlichen Sender, die mit grenzdebilen Sendungen wie dem Musikantenstadl, dem Grand Prix der Volksmusik, der Lindenstraße und anderen Scheusslichkeiten an vorderster Front mithelfen, dem großen Ziel, die Rückverdummung Deutschlands, mit jeder ausgestrahlten Sendung wieder ein Stückchen näher zu kommen.
Die oben genannten Sendungen sind ganz offensichtlich einzig und allein für die Verblödung der Massen gemacht und präsentieren sich auch für jeden Zuschauer, der noch halbwegs bei Verstand ist, ungeniert als solche. Nun gibt es aber Menschen, die möchten sich ungern so bewusst und offen verdummen und zum Narren halten lassen. Daher gibt es für sie spezielle Formate, so genannte Sendungen mit „intellektuellem Anspruch“, wie z.B. die Live-Berichterstattung von der Frankfurter Buchmesse, bei der man sich fragt, ob es nicht doch das Buch war, welches die Verblödung der Menschheit am Weitesten vorangetrieben hat, denn so viel Mist, wie einem dort präsentiert wird, könnte das Fernsehen schon aus reinen Kapazitätsgründen niemals in die weite Welt hinaussenden.
Eine weitere Sendung von intellektuellem Kaliber ist der von Frank Plasberg moderierte Polittalk "Hart aber Fair" in der ARD, wobei man aber grundsätzlich anerkennen muss, dass Moderator und Redaktion zumindest in der Vergangenheit stets bemüht waren, eine qualitativ gute Talkrunde auf die Beine zu stellen und diesem Anspruch meistens sogar gerecht wurden. In der letzten Zeit legt der Bambi-Preisträger Plasberg mit seiner Sendung jedoch eine rasante Talfahrt hin und falls ihn niemand stoppt, wird man ihn bald in einem Atemzug mit Trash-Talkern wie Jürgen Fliege, Hans Meiser oder Ilona Christen nennen - und das hätte er nun wirklich nicht verdient! Aber so ist es nun mal: Auch die beste Talksendung - mag der Moderator auch noch so gut sein - steht und fällt mit ihren Studiogästen und dem diskutierten Thema. Hier bewies Frank Plasberg kürzlich mit der Sendung "Armutsrisiko Reichtum" und den dazugehörigen Gästen eindrucksvoll, dass auch er nicht immer ein goldenes Händchen hat, sondern gern auch mal in die Grütze greift.
Die Studiogäste, die sich Plasberg und sein Team für dieses Thema zusammengesucht haben, wären auch eine traumhafte Bereicherung für jeden Tanztee in einem x-beliebigen Seniorentreff gewesen, wo Gemütlichkeit und behäbiges Dahindämmern ebenso Programm sind. Da wäre zunächst der DGB-Chef Michael Sommer (SPD), der sich im bundesdeutschen Polittalk mittlerweile als feste Größe etabliert hat und zu so ziemlich jeder Sendung, die sich nur im entferntesten um das Thema "Jobs und Finanzkrise" dreht, auf die wehrlosen Fernsehzuschauer losgelassen wird. Seine Spezialität sind langweilige Plattitüden und das ständige Abarbeiten an Allgemeinplätzen. Selbstverständlich hat Sommer aber auch Zukunftsprognosen im Angebot. So hat er wieder sein Orakel befragt und prophezeit "soziale Unruhen, falls es bald zu Massenentlassungen kommt".
Zweite Person in dieser illustren Runde ist die Gräfin Stephanie von Pfuel (CSU), die ihre Kompetenz in Wirtschaftsfragen in Form von "Verbrauchertips" (Kaffeewerbung für Eduscho) bereits eindrucksvoll unter Beweis stellen konnte und die kritisiert, dass "die Wohlhabenden von den Politikern zur Zeit aus purem Populismus an den Pranger gestellt werden.", denn: "Wie sonst soll ich die Reichensteuer verstehen?"
Anton F. Börner ist der nächste Studiogast. Der nett wirkende ältere Herr sieht zwar aus wie der typische "Eckrentner", ist in Wirklichkeit aber noch berufstätig und sogar Präsident des Groß- und Außenhandelsverbandes und klagt an: "Wer selbst im Krisenjahr ernsthaft noch Verteilungskämpfe führen will, hat den Ernst der Lage offenbar nicht begriffen!". Herr Börner, der z.B. schon mal beschlossen hat, dass "nicht der Lohn, sondern das Einkommen zum Leben reichen (müssen)", die Betriebe also Hungerlöhne zahlen und der Staat - und damit die Allgemeinheit - den Rest beisteuert, hat möglicherweise auch ganz viel nicht begriffen...
Auch dabei ist Hubertus Heil, der SPD-Generalsekretär, der die Reichensteuer verteidigt und eine gerechtere Gesellschaft fordert. Heil ist wohl ein netter Kerl, aber manchmal wünscht man sich doch, dass er sein Heil vielleicht lieber in der Flucht vor einem Posten suchen möge, der ihn offenbar kontinuierlich überfordert. Er erinnert ein wenig an seinen Vorgänger Olaf Scholz, den man nur den "Scholzomat" nannte, wenn er auf eine Frage von Plasberg wie ein Automat seine Lobeshymnen auf Steinbrück, Steinmeier & Co. abspult und dabei vollständig vergisst, das alles in einen Sinnzusammenhang mit der gestellten Frage zu bringen.
Und um die Runde komplett zu machen, kommt zuletzt noch der ultimative Studiogast mit Sahnehäubchen ins Rennen: Es ist Philip Mißfelder, der Vorsitzende der Jungen Union, der Kompetenz-Titan, der ganz nebenbei noch riesiges soziales Engagement und die Kunst, sich so dämlich auszudrücken, dass ihn wirklich auch der Letzte missversteht, eindrucksvoll in sich vereint. Der "Zappelphillip", der mal 85-jährigen eine künstliche Hüfte verweigern will und die Anhebung der Hartz-IV-Bezüge als "Anschub für die Tabak- und Spirituosenindustrie" versteht, entdeckt seine soziale Ader wieder aufs Neue, wenn er in der Sendung mahnt: "Teile der Wirtschaftselite haben sich schlecht aufgeführt. Doch dafür dürfen jetzt nicht pauschal alle Leistungsträger bestraft werden!". Die Solidarität ist wohl verständlich, denn wie man sich schlecht aufführt, weiß Mißfelder selbst ja nur zu gut.
Frank Plasberg beschäftigt sich nach den Eingangs-Statements der Studiogäste zunächst mit Michael Sommer und fragt diesen, was er unter den "sozialen Unruhen", vor denen er warnt, überhaupt versteht. Michael Sommer, ein ausgewiesener Freund von Konjunktiven, antwortet, dass es "möglicherweise dazu kommen könnte, dass Menschen sich politisch radikalisieren", wobei die Glaskugel ihm aber nicht verrät, in welche Richtung eine solche Radikalisierung stattfinden würde. "Möglicherweise" werden sie im Zuge dessen auch "sehr viel stärker protestieren in den Betrieben, möglicherweise auch in Großdemonstrationen" und möglicherweise ist die Erde eine Scheibe und überhaupt ist laut Toyota ja nichts unmöglich. Wenig Erhellendes oder Neues also beim DGB-Vorsitzenden, spannender wird es bei der Kaffee-Gräfin: Plasberg möchte wissen, was sie denn gegen die geplante Reichensteuer der SPD habe und dabei tritt schier erstaunliches zutage:
Die "Leistungsträger" nämlich sind es, die der Sprit für den Konjunkturmotor sind und "eine Reichensteuer würde dieses Wirtschaftswachstum eventuell abwürgen". Eventuell wird der Motor aber auch nur deshalb abgewürgt, weil ein Esel am Steuer sitzt und das Gas mit der Bremse vertauscht... Aber wer weiß das schon? Diese Überlegungen und Spekulationen müssen unsere Gräfin aber eigentlich gar nicht kümmern, denn das Schöne an dieser Sendung ist, dass der Studiogast eine Positions- und Wertebestimmung ganz frei nach Gutdünken selbst vornehmen darf und die "Reichensteuer", der Name sagt es schon, ist ja nur den Reichen vorbehalten. So überlässt Frau von Pfuel die Beantwortung der entscheidenden Frage, wer denn nun überhaupt reich, arm oder schlicht nur ein "Gutverdiener, aber nicht reich" ist, nicht etwa anderen, sondern gibt die Definitionsmaßstäbe selbst vor.
In früheren Zeiten, als der Adel in Politik, Militär und sämtlichen Gesellschaftsbereichen noch den Ton angab, wäre keine Gräfin jemals auf die absurde Idee gekommen, sich klein und arm zu rechnen - im Gegenteil. In Zeiten jedoch, wo Adelstitel zur Ramschware verkommen und selbst ein Jürgen Drews zum "König von Mallorca" avanciert; wo offen präsentierter Reichtum und dicke Klunker irgendwie doch nicht mehr so en vogue sind, wenn Millionen sich in Suppenküchen ernähren und Hartz IV beziehen, da will auch der deutsche Hochadel nicht hinten anstehen und zumindest ein wenig in den Jammerchor einstimmen und sich mit dem gemeinen Fußvolk solidarisieren: Nach den Maßstäben von Frau von Pfuel ist nämlich Reichtum ausschliesslich daran festzumachen, welches monatliche Einkommen erzielt wird. Sie rechnet also vor, dass sie mit einem Einkommen von knapp 5.000 EUR im Monat nun wirklich nicht reich sein kann, sondern "nur gut verdient".
Freilich, würde man dieser Definition folgen, dann wäre der Vorstandsvorsitzende der Postbank, Wolfgang Klein, der zur Zeit für ein symbolisches Jahressalär von 1 EUR arbeitet, die ärmste Sau der Republik, der die Nächte mit einer Flasche billigen Fusel und zugedeckt mit einer alten Zeitung auf einer Parkbank verbringen muss und für den selbst Hartz-IV-Empfänger in unermesslichem Reichtum schwelgen. Der Vorstandsvorsitzende der Postbank, er käme morgens in zerrissenen Lumpen zur Arbeit, und während seine Vorstandskollegen es sich gegen Mittag im Kasino bei haute cuisine gut gehen liessen, würde man Herrn Klein in den Räumen der Bonner Tafel beim Löffeln eines Tellers Bohnensuppe antreffen.
Der Pfuel'sche Konjunkturmotor bleibt bei einer solchen Betrachtungsweise jedoch so oder so - ob mit oder ohne Reichensteuer - mit einem Kolbenfresser am Wegesrand liegen, denn nach einer solchen Definition bricht unter Deutschlands Reichen über Nacht die Armut aus und die Reichen von Gestern greifen Heute händeringend nach Staatsalimente um ihr nacktes Überleben zu sichern. Ade, du rettende Reichensteuer!
Hat man in der Schule jedoch gut aufgepasst, so kann man durchaus darauf kommen, dass zum Vermögen eben nicht nur das zählt, was zukünftig regelmäßig hinzu kommt, sondern insbesondere das, was man schon hat. Und unter dieser Betrachtungsweise legt die arme Gräfin plötzlich einen kometenhaften finanziellen Aufstieg hin, denn als Alleinerbin von Schloss Tüssling, einem der größten Renaissance-Schlösser in Deutschland, mit dem dazugehörigen Landgut, wird es schon etwas schwerer, sich ein Tränchen für die "arme" Gräfin herauszupressen.
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Donnerstag, 15. Mai 2008
Deutschland sucht den Superdeppen!
Ich kann mich nicht mehr genau daran erinnern, als die erste Staffel von „Deutschland sucht den Superstar“, kurz DSDS, über die Bildschirme flimmerte, aber ich weiß, dass es etwa im Jahre 2002 gewesen sein muss. Damals lag meine langjährige Beziehung zu einer Frau in den letzten Zügen und ich glaube den Gnadenstoss gab ich dieser Beziehung, als ich ihr nach „Big Brother“ auch noch verbot diesen unsäglichen Superstar-Schrott bei mir zu Hause zu sehen.
Schon möglich, dass sie genau diese Einstellung dazu brachte, sich jemanden zu suchen, bei dem sie all diese Sendungen gucken konnte. Der sich vielleicht mit ihr zusammen auf dem Sofa lümmelte und sich über all die komischen Menschen, die sich da vor einem Millionenpublikum zum Gespött machten, ebenso amüsierte. Dieses Szenario erscheint mir heute sogar sehr wahrscheinlich...
Mehrere Staffeln zogen so mehr oder weniger unbemerkt an mir vorüber, denn meine Einstellung zu dieser Sendung stand fest. Das Schöne aber ist - und dafür mag ich mich -, dass ich gelegentlich auch mal die Dinge einer erneuten Prüfung unterziehe, die eigentlich für alle Zeit felsenfest klar zu sein schienen.
Die gerade zu Ende gegangene Staffel von DSDS war so eine Gelegenheit! Im Büro hörte ich meine Kolleginnen, die sich prächtig amüsierten: „Hast Du den Vollidioten gestern gesehen?“ und sich vergnügt noch mal die entsprechenden Filmschnipsel bei YouTube ansahen. Für mich war diese Sendung bisher dekadent und auf niedrigstem Niveau. Die Kandidaten wurden meiner Meinung nach verheizt für das große, böse Fernsehmonster, welches nur nach der Einschaltquote lechzt.
Und es stimmt: Die Sendung ist in der Tat auf niedrigstem Niveau, dafür sorgt schon ein Dieter Bohlen mit seinem verbalen Rotz, den er den gescheiterten Kandidaten unverhohlen ins Antlitz spuckt.
Die Frage die sich im Anschluss stellt, lautet aber: Ist das eigentlich so schlimm?
Gepflegte Langeweile nach dem Casting...
Interessanterweise konnte ich beim Verfolgen der aktuellen Staffel genau sagen, ab wann für mich wirklich Langeweile aufkam; nämlich, als die ersten, die wirklich singen konnten, die Bühne betraten! Rot vor Zorn saß ich vor dem Fernsehapparat und fluchte darüber, dass mir nun hier irgendwelche gegelten, gut aussehenden Sangesknaben vorgeführt wurden, denn die interessierten mich nicht die Bohne! Ich wollte wieder zurück zum Casting, wollte wieder Schadenfreude empfinden!
Seien wir ehrlich: Die Schadenfreude war und ist ein Element der Unterhaltung! Schadenfreude, die gibt es bei jedem Karaoke-Wettbewerb auf Mallorca, bei jedem Tanzwettbewerb am Timmendorfer Strand und selbst im renommierten Apollo-Theater in New York kommt die Schadenfreude nicht zu kurz! Es gibt und gab sie immer, wo Menschen vor anderen Menschen ihre (vermeintlichen) Künste zum Besten gaben.
Dieter Bohlen antwortete, angesprochen auf seine oftmals harsche Kritik, dass es wohl auch nicht anders gehe: „Wie macht man einem Bekloppten klar, dass er bekloppt ist?“ - Einfacher kann man es nicht auf den Punkt bringen! Ja, man mag sich sogar wünschen, dass die verbale Ohrfeige eines Dieter Bohlen für den ein oder anderen eine heilsame Lehre ist und die teilweise unfassbaren Defizite in der Selbstwahrnehmung einiger Kandidaten wieder zurechtgerückt werden. Freilich ist dies aber ein frommer Wunsch!
Warum hast‘n Du so‘n beschissenes T-Shirt an?
Ein Highlight in der Kategorie „gestörte Selbstwahrnehmung“ in der letzten Staffel war für mich der 30-jährige Christian Neumann, welcher im Vorspann zwar den Vergleich mit Freddy Mercury nicht scheute, allerdings schon an dieser Stelle verbalen Durchfall produzierte, obwohl er noch keinen Ton in Form von Musik von sich gegeben hatte.
Christian enttäuschte auch vor der Jury nicht und erschien in einem knallbunten „DJ Bobo“-Shirt vor den Juroren. Dieses Shirt, ein Fanal an die frühen Neunziger, als sich ein gewisser Herr Baumann aus der Schweiz als DJ Bobo anschickte, die Charts trotz seines ermüdenden Gedudels in ständiger Wiederholung zu erobern, veranlasste Dieter Bohlen auch gleich dazu, den ersten Schlag zu servieren: „Warum hast‘n Du so‘n beschissenes T-Shirt an?“
Der darauf folgende Dialog ist nicht erwähnenswert, denn Christian hatte die Frage, bzw. ihre Intention schlicht nicht verstanden: „Ich find‘s gut, dass Du mich danach fragst, Dieter!“ - Da fehlten selbst Dieter Bohlen die Worte! Aber egal, Christian war ja schließlich gekommen, um zu singen - und er wollte singen! Allerdings sollte sich eine alte Weisheit wieder mal bestätigen: Kunst kommt von „K“, wie Können, und nicht von „W“, wie Wollen, denn sonst hiesse sie „Wunst“.
Der Song „Terra Titanic“ von Peter Schilling sollte dran glauben! 1983 landete Peter Schilling mit diesem Titel einen großen Hit! Und warum? Nun, Peter Schilling kann singen! Und Christian? Tja, wer das nachfolgende Gekrächze mit anhören musste, der wünschte sich unweigerlich, damals mit der im Titel besungenen Titanic sang- und klanglos untergegangen zu sein, um sich diese Akustikfolter heute ersparen zu können! Andererseits hätte Christian den Dampfer seinerzeit auch selbst versenken können, wie einst die Sirenen in der griechischen Mythologie - ganz ohne Eisberg.
Christian brachte nach der darauf folgenden, für niemanden (ausser Christian) überraschenden Absage der Jury noch weitere Peinlichkeiten, um im Rennen zu bleiben, wie die Demonstration einer Kopfstimme, die in meiner Vitrine Gläser vor Scham platzen liess, sowie eine Brakedance-Einlage, die für mich „fremdschämen“ neu definierte.
Dies alles machte Christian für mich zum Top-Act dieser Staffel!
Arme Kandidaten?
Nun gibt es Stimmen, die sich gegen das Konzept der Sendung auflehnen: Die einen sagen, dass hier Menschen vorgeführt werden, die das ganze Ausmass und die Folgen nicht zu überblicken vermögen, die später mit dem Gefühl ein Versager zu sein, allein gelassen werden und die sich zudem auch noch mit ihrer Umwelt, die sie gegebenenfalls verhöhnt und verspottet, auseinandersetzen müssen.
Ich lasse diese Einwände für die erste Staffel bedingt gelten. Damals war noch alles neu und wer seinerzeit nicht selbst einschätzen konnte, dass seine Sangeskünste nur dafür ausreichen, Tonbänder für Geisterbahnen zu besingen, der konnte schon mal unbedarft bei DSDS unter die Räder kommen. Alle nachkommenden Staffeln aber boten die Möglichkeit, sich an den vorher gesendeten zu orientieren: „Wer scheisse singt, bekommt auch scheiss Kritiken!“ lautet die einfache Formel, welche allerdings die „beschissenen“ Sängerinnen und Sänger nicht daran hinderte, weiterhin in Scharen bei der Jury vorzuträllern. Das zeigt uns: Es gibt eine schier unendliche Zahl von Nullen und Nichtskönnern, die leider aber selbst noch gar nichts davon wissen. Würde man ihnen verbieten zu DSDS zu gehen (wie sollte man das eigentlich anstellen?) oder würde man die Sendung als eine Soft- und Schmuseshow gestalten, wo selbst der letzte Platz zum 1553. Sieger gekürt würde, dann wäre das viel verheerender, denn man würde etwas suggerieren, was in der realen Welt nicht ist: die Wirklichkeit kennt nämlich durchaus Sieger und Verlierer und sie springt mit den Verlierern im Allgemeinen auch nicht unbedingt zimperlich um.
Es ist daher besser, auch den Durchgeknallten, die sich selbst als große Künstler sehen, mal klar zu machen, dass sie besser wieder in die Realität zurückkehren und ihr Leben von Wunschvorstellungen lösen, die sie mit ihrem momentanen Stand nie erreichen werden. Die Botschaft kann dann nur lauten: Mach was anderes, oder investiere viel Arbeit, aber das, was Du selbst heute für großartig hälst, das ist nix!
Ich jedenfalls freu‘ mich schon auf die nächste Staffel!
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